Karl Feigenbaum war Sohn eines Freudenstädter Hafners (Hersteller von irdenen Waren, also Töpferwaren), der am Stadtbahnhof sein Geschäft betrieb. Sein Bruder Heinrich war ein bekannter Kunstmaler, der leider mit Anfang Dreißig auf tragische Weise ums Leben kam. Karl Feigenbaum war Zeitgenosse des berühmten Stadtschultheißen Hartranft, den er verehrte und mit dem er befreundet war. Einige seiner Werke hat er dem Vater des Kurwesens, eben jenem Alfred Hartranft, in Freudenstadt gewidmet. Feigenbaums Verse sind ein Genuß nicht nur für die Freudenstädter, sondern auch für die Schwaben im Allgemeinen und, wenn sie's denn verstehenl, auch die Neigsch'meggte...

Mädle, du hoscht hoasse Auge,
wo m'r sich sei Hearz verbrennt,
ond a Göschle zom d'ra sauga,
wie m'r nia a süassers fend.

Aber des muaß i dir saga:
bischd a oigasenn'ge Grott.
Naidig wär's an manche Tage,
daß m'r de verschlage sodd.

Net aus Haß ond Zorn, nau wega,
wia beim Herrgott ging's daher:
+ jeden von ons arme Feger,
den'r liab hot, züchtigt er.

Karl Feigenbaum hat seine Verse nicht nur im Dialekt verfaßt, sondern seine Hymne auf Freudenstadt in feinstem Hochdeutsch.

Führt dich dein Weg durch Flur und Auen
im vielgeliebten Schwabenland
und siehst du Schwarzwaldhöhen blauen,
grüß mir die Stadt, mit Ruhm genannt:
die Bergstadt über Christophstal,
die mir das Herz bezaubert hat,
oh grüß sie mir vieltausendmal,
die waldumkränzte, schöne Freudenstadt!

Und schweift dein trunkner Blick ins Weite
von Friedrichsturmes hoher Wacht,
grüß mir die Stadt, die Stadt der Freude
in immergrüner Waldespracht:
die Bergstadt über Christophstal,
die mir das Herz bezaubert hat,
oh grüß sie mir vieltausendmal,
die waldumkränzte, schöne Freudenstadt!

Eilst du auf Moos und Stein von dannen
von süßem Vogelsang umschallt,
grüß mir die Stadt, die edelen Tannen
und Brünnlein in dem Teuchelwald:
die Bergstadt über Christophstal,
die mir das Herz bezaubert hat,
oh grüß sie mir vieltausendmal,
die waldumkränzte, schöne Freudenstadt!

Ruhst du, wo noch von Jagd und Minnen
das Bärenschlößchen träumend steht,
grüß mir die Stadt mir ihren Zinnen,
von Sonnengold wie übersät:
die Bergstadt über Christophstal,
die mir das Herz bezaubert hat,
oh grüß sie mir vieltausendmal,
die waldumkränzte, schöne Freudenstadt!

Schwelgst du im Meer von Duft und Farben
allüberall in Tal und Höhn,
grüß mir die Stadt, wo reichste Garben
der Lust und Freude prächtig wehn:
die Bergstadt über Christophstal,
die mir das Herz bezaubert hat,
oh grüß sie mir vieltausendmal,
die waldumkränzte, schöne Freudenstadt!

So lang noch Wanderburchen ziehen
und Ginster flammt am Wiesenrain,
soll auch Freudenstadt noch blühen,
und immer Hort der Freude sein.
Aufs Wohl der Stadt leert den Pokal
und füllt ihn wieder bis zum Rand,
und leeret ihn zum zweitenmal
aufs wunderschöne, liebe Schwabenland.

Seine Liebe zum "alten Freudenstadt" wie man die Zeit des blühenden Kurbetriebs in Freudenstadt gerne nennt, bringt Karl Feigenbaum auch in diesem Gedicht zum Ausdruck.

Harzluft, graoße Tannewälder,
Kohlwald, Beiszang, Herrefelder,
Riesemarktplätz mit Arkada,
Langawald mit See zom Bada,
Keaberg, Teichelwald, Zeamorga,
überal kasch aneschlorge.
Ond au d' Leit im Allgemina,
wellet mr net oreacht scheina,
ellzumal ond mehr ond mender
send mar älle bei da Sender
i ghör au zu dera Rotte
s'git halt sotte ond au sotte:
Silberstoagler, Hoharieder,
Schnogakarle, Silberbrüder,
Schdadgardischda, Holzverhauer,
Nagelschmied ond Feilahauer,
Krautkopfesser, Muggafenger
ond no mai so luschdge Denger.
Außer guadr Luft zom Schnappa,
gitts im Salme, Schütza, Rappa,
Post, Dreikenig, Schwana, Krone
ond viel andre Restratione
ausgezeichnete Portione,
Speis ond Trank, soviel dr Maga
ond dr Beitl ka vrtrage:
s'gitt Cafes ond au Konditter
Kuacha, Torta, Magabitter.
Narr, do sieht mr, sait dr Boole,
Freidaschdadd isch Metropole!
Drum hent mir au - heidaweddar,
so an Schdolz als Freidaschdäddr.

Freudenstädter sind beim Becher,
durchwerg leistungsfähige Zecher,
zechen lang und mit Geuld;
daran ist das Klima schuld.
Denn das merkt sogar ein Blinder,
der neun Monat lange Winter
und dazu zwölf Wochen kalt
zwingt zum Trinken mit Gewalt.
Da hilft weder sparen, geizen,
es gilt kräftig einzuheizen,
und das ist auch unbesehen
stets nach Christenpflicht geschehen.
Heute noch, teils mehr, teils minder,
saufen sie wie Bürstenbinder
von der Wiege bis zur Gruft.
's liegt halt an der Schwarzwaldluft.


Die Fontainen am Unteren Marktplatz
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